Wagyu Zuchtauswahl

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  • Ralph ValdezAmerican Wagyu Association bei Holstein Wagyu

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"Bei euch im Stall stehen einige Weltmeister-Wagyu's" 
Zitat von Ralph Valdez, dem ehemaligen Präsidenten 
des Amerikanischen Wagyuverbandes  (rechts) bei seinem Besuch auf unserem Hof.


  • Graham Truscott AWA Australian Wagyu Association, Andrea Marquardt, Rüdiger Marquardt

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Erfahrungsaustausch mit dem Vorsitzende des Australischen Wagyuverbandes Graham Truscott (Bildmitte), und Andrea und Rüdiger Marquardt Sen.


"So viele sehr gute Wagyurinder habe ich noch nie  auf einem Hof gesehen". Zitat von Jim Hoskens dem  berühmten Wagyu-Pedigree-Leser aus Wisconsin, USA.


Zuchtauswahl bei Wagyu-Rindern

Es gibt verschiedene Tests für Wagyurinder


Unser Tipp:

Verrennen Sie sich nicht in Testergebnisse. Wenn wir rein nach den Werten in den Testergebnissen gehen würden, müsste man auf einen Großteil hervorragender Zuchttiere verzichten und der gesamte Bereich der Nachkommen-Prüfung wäre überflüssig, was der Zucht sicherlich keinerlei Vorteil bringen würde. Wir testen auch aber sehen zusätzlich mit Ultraschall in das lebende Rind hinein. Siehe Video.

Unsere ehrliche Einschätzung zu den genetischen Tests:

Grundsätzlich handelt es sich bei den Werten lediglich um eine sehr grobe Einschätzung der zu erwartenden Fleischeigenschaften. Der SCD-Test soll z.B. den Schmelzpunkt des Fettes vorhersagen. Beim Wert AA soll dieser am niedrigsten sein, doch was ist niedrig? Unserem Wissen nach liegen zwischen den einzelnen Werten kaum wahrnehmbare Unterschiede. Wenn es z.B. für einen Schmelzpunkt von 21°C den Bestwert AA gibt und für einen Schmelzpunkt von 22°C erhält man VV, kann das irgendjemand schmecken? Auch beim Tenderness-Test halten wir die Aussagekraft für sehr limitiert. 59 % der Wagyupopulation hat einen Tenderness-Wert von 1 – 5. Bei den vergangenen Wagyu-Fleisch-Wettbewerben haben sich vermehrt Tiere durchsetzen können, die auf dem Papier „schlechte“ Werte hatten. Der Exon5-Test ist ein rein deutsches Phänomen und nirgendwo sonst auf der Welt hat dieser Test irgendeine eine Bedeutung.

 

Warum macht man die Tests überhaupt?

Auch wenn wir nicht viel von diesen Tests halten, so helfen diese uns ein wenig bei der Zuchtauswahl. Zum Beispiel wenn wir mehrere Vollgeschwister aus einer Embryonen-Spülung erzeugen und im weiteren Verlauf nur einen Teil von ihnen für die Weiterzucht berücksichtigt wollen. Die Tiere sind dann von der Abstammung identisch und sollte auch äußerlich kein Unterschied erkennbar sein, so werden die Tests als letztes Kriterium zur Auswahl hinzugezogen.


BFI-Test neu hinzu gekommen

Der BFI (Breeder Feeder Index) beinhaltet die Merkmale Geburtsgewichte, Milchleistung, Kuhgewichte, Schlachtkörpergewicht, Scrotum-Größe (hängt mit der weiblichen Fruchtbarkeit zusammen) und Marmorierung. Zusammengefasst belohnt der BFI Tiere mit einem durchschnittlichen Geburtsgewicht, sowie moderaten Kuhgewichten und Milchmengen, was Tiere mit passenden Eigenschaften und Größe im Sinne der Zuchtziele anstrebt. Des Weiteren wird ein höheres Schlachtkörpergewicht, sowie eine stärkere Marmorierung besser gewertet. Auch die Scrotum-Größe wirkt sich positiv auf dem BFI aus.


SCD-Test

Aus Japan kommt dieser Test, bei dem es um die Fettzusammensetzung bei den Tieren geht. Die Genotypen A und V stehen für unterschiedliche Aminosäuren, die wiederum eine Beziehung zu Fett mit niedrigem bzw. höherem Schmelzpunkt haben. A ist der wünschenswerte Typ = niedriger Schmelzpunkt, und somit sind die Tiere mit AA die besten Tiere.

 

Tenderness- Test

Dieser Test wird von der Firma NEOGEN angeboten. Er steht für das Merkmal Zartheit (Tenderness), wobei die Notenskala 1-10 ist. 10 steht für das zarteste Fleisch und ist als optimal zu bezeichnen. 59% der Wagyupopulation haben Tenderness-Werte 1-5. Für die höheren Werte ergibt sich folgende Verteilung: 6 ─ 16,5%, 7 ─ 16,75%, 8 ─ 1,0%, 9 ─ 4,75%, 10 ─ 2,0%.

 

Exon 5 (bGH) - Test

Dieser Test unterscheidet mehrere Varianten des Gens des Wachstumshormons des Rindes, welches u.a. beim Wachstum und der Fetteinlagerung (Marmorierung) des Skelettmuskels eine Rolle spielt. Es gibt 6 verschiedene Genotypen: AA, AB, AC, BB, BC, CC, wobei die Doppelung durch die mütterliche und väterliche Genkopie begründet ist. Die in der Zucht zu

bevorzugenden Varianten sind CC, BC und BB.


Sehr viel spannender und interessanter sind datenbasierte Fakten!

Diesbezüglich ist die australische Wagyuzucht Vorreiter, wo Zuchttiere an Hand von Schlachtergebnissen ihrer Nachkommen bewertet werden. Ein Beispiel: Mr. Marble K0483 ist ein Bulle, von dem bislang 136 Nachkommen (Stand März 2021) geprüft wurden. Diese Nachkommen hatten zu rund 90%iger Verlässlichkeit außergewöhnliche Tageszunahmen, massige Schlachtkörper, eine sehr gute und feine Marmorierung und seine Töchter hatten ein deutliche Plus an Milchleistung. Mr. Marble hat einen SRI (Self Replacing Index) von +$301, was mehr als doppelt so hoch ist, wie der australische Zucht-Durchschnitt. Seine Spermaportionen werden aktuell mit rund 500,- AUS$ gehandelt. In SCD, Tenderness und Exon5 ist er nicht einmal untersucht worden.


Die australischen EBV Werte (Zuchtwerte)

Zusammengefasst von Christoph Willeke von Wagyu DE


EBV’s (Estimated Breeding Values) sind geschätzte Zuchtwerte für Fullblood Wagyu-Rinder. Mit Hilfe der EBV Werte lassen sich Tiere gut mit der gesamten Population vergleichen. Die Daten zu den Tageszunahmen, Milchmenge, Schlachtgewichten, Marmorierung, etc. werden unter standardisierten Bedingungen erfasst. Diese EBV Werte werden in bestimmten Maßeinheiten als positive oder negative Zahl dargestellt. Ein Bulle mit einem EBV von beispielsweise +50kg für ein 600 Tage Gewicht hat einen geschätzten genetischen Mehrwert von 50kg über der Basis von 0. Der Basiswert bzw. der durchschnittliche EBV Wert verändert sich stetig aufgrund des genetischen Fortschritts der Rasse. Die Sicherheit der Daten steigt mit der Anzahl der untersuchten und geschlachteten Tiere. Alle Merkmale mit den durchschnittlichen australischen EBV Werten für die Fullblood Wagyu-Population sind in der Tabelle dargestellt
(Stand 12.03.2021). 

Neben den Einzelmerkmalen werden insgesamt vier Indexwerte in $ AUD angegeben. Diese Dollarzahlen kombinieren unterschiedliche EBV Werte und geben einen wirtschaftlichen Wert (Kosten und Erträge) für bestimmte Produktionssysteme. Der Wagyu Breeder Index und der Self Replacing Index ist für Züchter relevant, der Fullblood Terminal Index und der F1 Terminal Index für Mäster. Die aktuellen Durchschnittswerte der vier Indizes sind in der Tabelle unten angegeben (Stand 12.03.2021).

 

Wagyu Breeder Index

Bei diesem Index wird davon ausgegangen, dass mit den weiblichen Tieren weitergezüchtet wird, die männlichen gehen in die Mast. Besonders berücksichtigt werden Tageszunahmen, Schlachtgewicht und Muttereigenschaften. Kaum berücksichtigt wird Marmorierung.

 

Self Replacing Index

Dieser Index ist sehr ausgeglichen und bezieht fast alle Einzelmerkmale (EBV) zu gleichen Teilen mit in die Berechnung. Wer nach diesem Index züchtet, wird immer ausgeglichene Tiere haben. Auch bei diesem Index sind die weiblichen Tiere für die Weiterzucht vorgesehen und die männlichen zur Mast.

 

Fullblood Terminal Index

Dieser Index berechnet einen wirtschaftlichen Wert für reinrassige Tiere, mit denen nicht weitergezüchtet wird, sondern alle für die Mast vorgesehen sind. Schlachtgewichte, Marmorierung und Tageszunahmen sind am stärksten gewichtet.

 

F1 Terminal Index

Dieser Index ist für F1 Kreuzungs-Masttiere aus Fullblood Bulle und Nicht-Wagyu-Kuh. Sehr stark eingerechnet wird Marmorierung. Kaum berücksichtigt werden Tageszunahmen oder Schlachtgewichte, da diese Eigenschaften i.d.R. vom Nicht-Wagyu-Kreuzungstier kommen.


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